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Sinneserfahrung: Die Pädagogik von Houtopia, Universum der Sinne
Was versteht man unter Sinneserfahrung?
Sinneserfahrung bedeutet, sich auf unsere fünf Sinne zu konzentrieren – jene Fenster, die es uns ermöglichen, die Welt um uns herum wahrzunehmen – und uns ihrer ständigen Aktivität bewusst zu werden.
Wozu dient die Sinneserfahrung?
Kinder dazu anzuleiten, auf ihre Sinne zu achten, ist in Wirklichkeit ein Mittel zum Zweck: die Entfaltung des Kindes, damit es seinen Platz in der sozialen Gruppe findet. Zu dieser gehören die Gruppe „Familie“, die Gruppe „Klasse“, die Gruppe „Unternehmen“ und schließlich alle sozialen Gruppen, denen es im Laufe seines Lebens begegnen wird. Dieser Ansatz ist somit Teil einer staatsbürgerlichen Erziehung, die auf ein besseres Zusammenleben ausgerichtet ist.
Wie sieht das konkret aus?
Sinneserfahrungen und die Bewusstwerdung dieser Erfahrungen ermöglichen es uns, unsere eigene Funktionsweise zu verstehen. Durch sinnliche Erfahrungen achten wir auf unsere Emotionen und Einstellungen, wodurch wir unsere Stärken und Schwächen erkennen können. Infolgedessen sind wir in der Lage, impulsive Reaktionen zu vermeiden, aber auch, uns zu entfalten. Sich selbst zuzuhören, seine Reaktionen zu reflektieren und seine Empfindungen und Reaktionen zu erkennen und zu benennen, ermöglicht es langfristig, die Folgen unseres Handelns besser zu kontrollieren und das tiefe Wohlbefinden des Individuums – ob Kind oder Erwachsener –, das sich selbst kennt, zu fördern. Wie es in der Redensart heißt: „Erkenne dich selbst!“ Es geht also darum, unsere Sinne zu schulen, und diese Idee ist nicht neu… Jean-Jacques Rousseau sprach bereits in seinen Schriften davon!
„Die ersten Fähigkeiten, die sich in uns bilden und vervollkommnen, sind die Sinne. Sie sind also die ersten, die man kultivieren sollte; sie sind die einzigen, die man vergisst oder am meisten vernachlässigt. Die Sinne zu schulen bedeutet nicht nur, sie zu benutzen, sondern zu lernen, durch sie richtig zu urteilen, sozusagen zu lernen, zu fühlen; denn wir können weder berühren, noch sehen, noch hören, außer so, wie wir es gelernt haben.“
Jean-Jacques Rousseau, Émile ou De l’éducation, 1762, p.200
Die Sinneserfahrung: eine Erziehung zur Sensibilität
Das Trainieren unserer Sinne kann auch als eine Erziehung zur Sensibilität verstanden werden. Mit anderen Worten: Es geht um die Vorstellung, dass unsere Sinne „Sinn“ erzeugen. So wird unser Sehsinn zur Sensibilität des Blicks, das Gehör zum Zuhören, der Geschmack zur Verkostung, der Geruchssinn zum Riechen, der Tastsinn zum Fühlen. Unsere Sinne existieren also nicht isoliert, sondern ermöglichen es uns, mit der Außenwelt in Verbindung zu stehen. Sie bringen uns in Kontakt mit unserer Umgebung. Und dies ist jedem und jeder eigen, denn unsere Sinne liefern uns niemals direkt ein Bild der Welt, sondern stellen sie auf die Probe. Was wir im Kontakt mit unserer Umgebung entschlüsseln, nährt eine wahrnehmungsbezogene Erfahrung der Welt. Der Einsatz unserer Sinne strukturiert unseren Blick, unser Zuhören und unsere Vorstellungskraft – also unser Verhältnis zu uns selbst und zu anderen.
Ein Ansatz, der Teil der politischen Bildung ist!
Es ist diese Verbindung zu anderen Menschen, die es ermöglicht, die Erziehung zur Sensibilität mit einer Erziehung zur Demokratie zu verknüpfen. Denn die Erziehung zur Sensibilität zielt darauf ab, die Realität des sinnlichen Wissens anzuerkennen und sich der Existenz einer echten Kultur der Sinne bewusst zu werden – einer Kultur, die sich auf vielfältige Weise entfaltet. Diese Vielfalt, ihr Bewusstsein und ihre Akzeptanz sind es, die ein besseres demokratisches Zusammenleben ermöglichen. Demokratie bedeutet, das Anderssein zu berücksichtigen und es in den Begriffen der Gleichheit und Anerkennung zu verankern. Die Reaktionen auf sensorische Reize sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich, da sie von so vielfältigen Faktoren wie unseren Lebenserfahrungen oder unserem genetischen Erbe abhängen. Das Bewusstsein für diese Andersartigkeit ermöglicht eine Offenheit gegenüber anderen sowie die Möglichkeit, unsere Toleranzfähigkeit zu schärfen. Letztendlich geht es darum, ein besseres Zusammenleben zu fördern.
Wir sind alle unterschiedlich!
An sich unterscheiden sich die Vorlieben jedes Einzelnen, und was zählt, ist unsere Fähigkeit, zu erklären, woher unsere Vorlieben und Abneigungen stammen, warum wir etwas mögen oder nicht mögen. Auf diese Weise erreichen wir eine der wesentlichen Dimensionen der Bildung, nämlich die Fähigkeit, selbstständig zu denken, kritischen Geist, Wachsamkeit und Widerstandsfähigkeit.
Zudem hat das sensorische Erlebnis den Vorteil, dass es auf natürliche Weise das Interesse von Groß und Klein weckt. Auf diese Weise fördert es den generationsübergreifenden Austausch und schafft Verbindungen.
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